Wie Digitalisierung der globalen Gesundheit zu mehr Widerstandsfähigkeit verhilft

BW_i und das African Institute for Mathematical Sciences (AIMS) brachten afrikanische und baden-württembergische Nachwuchswissenschaftler*innen bei einer virtuellen Konferenz zusammen.

„How can digitalization contribute to a more resilient global health?“ – dieser Frage gingen vom 21. bis 22. April 2021 rund 200 Wissenschaftler*innen und Expert*innen in den Bereichen Digitalisierung und Gesundheit aus Afrika und Baden-Württemberg  nach. BW_i organisierte gemeinsam mit AIMS, einem pan-afrikanischen Netzwerk zur Förderung von exzellenten Studierenden im Bereich Mathematik, den virtuellen Austausch. Dass das Konferenzthema auf breites Interesse stieß, zeigte die Vielfalt der beteiligten  Länder. So waren unter anderem Teilnehmende aus Ghana, Ruanda, Südafrika, Kenia und Kamerun vertreten.

 

 

„Mit der Konferenz „Facing Global Challenges Together“ möchten wir die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und Afrika vertiefen. Wir sind davon überzeugt, dass wir globale Herausforderungen nicht alleine bewerkstelligen können. Lassen Sie uns unsere Erfahrungen und unser Wissen nicht nur für bessere wissenschaftliche Ergebnisse, sondern auch für das Allgemeinwohl nutzen.“

Dr. Christian Herzog Geschäftsführer von BW_i

Prof. Salome Masimwe, Associate Professor und Head of Global Surgery an der University of Cape Town, betonte in ihrem Vortrag, dass bei Innovationen im Bereich der digitalen Gesundheit im Vordergrund stehen sollte, mit welcher Technik man möglichst viele Menschen retten könne. „Wie verpflichtet fühlt sich die Wissenschaft hier?“, warf Masimwe als Frage auf. Weiterhin gebe es zwischen Ländern mit niedrigem und hohem Einkommen große Unterschiede in der Gesundheitsversorgung. In Afrika stürben noch immer Frauen an vermeidbaren Schwangerschaftskomplikationen, weil sie keinen Zugang zu bedarfsgerechter Versorgung hätten. App-Anwendungen, die speziell für den ländlichen Bereich konzipiert seien, nannte Masimwe als eine mögliche digitale Hilfe für Gesundheitsprobleme in bestimmten afrikanischen Regionen. „Bei der Implementierung wissenschaftlicher Ergebnisse müssen wir immer auch das richtige Design für die Nutzer*innen und den Anwendungskontext mitdenken“, so Masimwe.

Prof. Dr. Dr. Till Bärnighausen, Professor an der Alexander von Humboldt Universität und Direktor des Heidelberg Institute of Global Health (HIGH) an der Universität Heidelberg, gab Einblick in die Wirkung digitaler Gesundheitsanwendungen auf die globale Gesundheit am Beispiel von Gesundheitsaufklärung über Videos. Bärnighausen stellte eine Untersuchung vor, bei der der Einfluss von Covid19-Aufklärungsvideos auf das spätere Verhalten des Zuschauers untersucht wurde – das Ergebnis: Videos können gesundheitliches Verhalten signifikant beeinflussen. Bärnighausen nannte als Herausforderung digitaler Gesundheit, die inzwischen riesige Menge globaler Gesundheitsdaten für gute Zwecke zu nutzen. „Öffentliche Einrichtungen dürfen im Vergleich zu den großen privaten Firmen nicht ins Hintertreffen geraten“, sagte er.

In einer Podiumsdiskussion zum Konferenzthema „How can digitalization contribute to a more resilient global health?“ kamen verschiedene Beispiele zur Sprache, die den Nutzen von Digitalisierung für die globale Gesundheit verdeutlichten. Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion orientierten sich in ihren Beiträgen an den zehn globalen Gesundheitsthemen der WHO für 2021. „Digitalisierung kann uns helfen, besser auf Pandemien vorbereitet zu sein“, sagte Dr. Nana Ama Browne Klutse, Senior Lecturer an der University of Ghana.
Prof. Dr. Philipp Berens vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Universität Tübingen sprach von der Notwendigkeit vertiefter Zusammenarbeit zwischen Informatiker*innen und Mediziner*innen. In Tübingen sei es gelungen, Informatiker*innen mehr medizinisches Wissen an die Hand zu geben, so gebe es zum Beispiel den interdisziplinären Master-Studiengang „Medical Informatics“. Gleichzeitig versuche man, Studierende der Medizin verstärkt im Bereich Digitalisierung und Statistik auszubilden. Das stark regulierte Medizinstudium sei hierbei aber noch eine Hürde.

Workshops zum Thema „Digitalisierung und Gesundheit“, Pitches zu wissenschaftlichen Projekten afrikanischer und baden-württembergischer Teilnehmender und Themen-Lounges mit der Möglichkeit zur Vernetzung waren neben Expertengesprächen und Podiumsdiskussion ein weiterer Baustein, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und Afrika zu vertiefen.

Folgeveranstaltung im Juni

Als Folgeveranstaltung bietet BW_i im Juni afrikanischen Konferenzteilnehmer*innen eine virtuelle Delegationsreise nach Baden-Württemberg an.

Hier lesen Sie eine Pressemitteilung in englischer Sprache von AIMS zur Konferenz.

Laura Busch

Wissenschaft, Forschung und Kunst Internationales Hochschul- und Forschungsmarketing

Sarah Musch

Wissenschaft, Forschung und Kunst Länderbereich Afrika, Entwicklungszusammenarbeit Internationale Projekte

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