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Informationsveranstaltung „Brasilien nach Dilma Rousseff"

bw-i informierte am 20.10.2016 in Stuttgart über die aktuelle Lage Brasiliens und gab Aussichten für die Zukunft.

Jürgen Oswald, Geschäftsführer von bw-i, eröffnete die Veranstaltung

Betina Sachsse, Regional Manager Brasilien beim Lateinamerika Verein, begrüßte die Teilnehmer

Großes Interesse an der Informationsveranstaltung

Brasilien ist die größte Volkswirtschaft in Lateinamerika und der wichtigste Wirtschaftspartner der deutschen Industrie in der Region. Aufgrund seiner Größe und seines Rohstoffreichtums wird Brasilien trotz gegenwärtiger Schwierigkeiten weiterhin als strategischer Markt gesehen. Umgekehrt ist Deutschland der wichtigste europäische Wirtschaftspartner für Brasilien. Deutsche Unternehmen exportieren Waren im Wert von gut 10 Milliarden Euro nach Brasilien. Die deutsch-brasilianischen Wirtschafsbeziehungen basieren auf gemeinsamen Werten und haben eine lange Tradition. Heute sind in Brasilien über 1.400 deutsche Unternehmen aktiv und erwirtschaften rund zehn Prozent der industriellen Wertschöpfung.

Jedoch scheint Brasilien in einer Abwärtsspirale gefangen zu sein. Die Wirtschaft ist auf Schrumpfkurs und die Politik wird von Korruptionsskandalen - insbesondere um den Erdölriesen Petrobras - erschüttert.

Die bereits seit Mai suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August ihres Amtes enthoben. Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2018 übernimmt Michel Temer den Posten; ihm wird aber auch Korruption vorgeworfen. Das Land leidet unter einer Vertrauenskrise.

Vor diesem Hintergrund organisierte Baden-Württemberg International (bw-i) im Rahmen des Enterprise Europe Networks zusammen mit dem Lateinamerika Verein e.V. am 20. Oktober 2016 in Stuttgart eine Informationsveranstaltung, um über die aktuelle Lage zu berichten und auch Aussichten für die Zukunft zu geben. Dr. Till Alexander Backsmann, Leiter der  deutschsprachigen Abteilung bei Veierano Advogados, eine der renomiertesten Kanzleien Brasiliens, betonte, dass sich auch Mittelständler um Compliance bemühen müssen, um nicht in den Sog von Anti-Korruptionsermittlungen zu geraten.

Um sich im brasilianischen Markt sicher zu bewegen, sollten Unternehmen frühzeitig über geeignete Compliance-Strategien nachdenken. Dabei besteht die Herausforderung darin, die Compliance-Systeme so anzupassen, dass sie den besonderen Anforderungen der brasilianischen Justiz gerecht werden. Eine Grundregel ließe sich relativ einfach bewerkstelligen, so die Experten: „Dokumentieren sie all ihre Schritte, die sie unternehmen." Bei den Besonderheiten der brasilianischen Rechtssprechung stehen lokale brasilianische Anwälte zur Verfügung.  

Dieter Miers, der bei der Dechema seit 2014 für die Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland zuständig ist, gab einen kurzen Überblick über die momentane politische Lage Brasiliens, bevor er den Wirtschaftssektor Chemie in Brasilien vorstellte. Hervorzuheben ist, dass Brasilien hier weltweit den sechsten Platz einnimmt und die Chemiebranche im Augenblick die viertgrößte Wirtschaftsbranche in Brasilien darstellt.

Kurz nach seiner Amtseinsetzung war Michel Temer der erste brasilianische Präsident, der sich explizit mit maßgeblichen Vertretern der brasilianischen Chemieindustrie zusammengesetzt hat und ihnen seine Unterstützung und Förderung zugesagt hat.

Mario Holze, Senior Consultant bei Steinbeis SIBE sowie Unternehmer mit der HoQECS GmbH, gab praktische Fallbeispiele für einen geglückten, aber auch missglückten Geschäftsaufbau, wie z.B. der Launch eines Sportgetränks, bei Infrastrukturprojekten im Bereich innovativer Verkehrsführung, aber auch beim Aufbau einer Brauerei in Brasilien. Er betonte, dass Brasilien ein attraktiver Auslandsmarkt ist, aber dass bei der Internationalisierung eine entsprechende Strategie, ebenso die Tropikalisierung des Produkts und unbedingt einen lokalen Netzwerkpartner sowie Ausdauer benötigt wird.

Für 2016 ist damit zu rechnen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt um 3,3 Prozent schrumpft. Für 2017 und 2018 ist hingegen wieder ein leichtes Wachstum zu erwarten.

Dennoch bleibt die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt das Kraftzentrum Südamerikas und bietet Unternehmen mit langem Atem nach wie vor große Chancen. Die Abwertung des Reals macht Brasilien wieder als Exportstandort für den Weltmarkt interessant. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die brasilianischen Unternehmen in Infrastruktur, Logistik, Energie und Digitalisierung investieren. Für deutsche Mittelständler können sich hier gute Chancen ergeben. Langfristig gesehen kann sich eine Marktpräsenz in Brasilien weiterhin auszahlen. 


Ansprechpartnerin

Ines  Banhardt

Ines Banhardt

Außenwirtschaft und Standortmarketing Wirtschaft
Länderbereich Lateinamerika

Tel.: +49 (0)711 22787-59
Fax: +49 (0)711 22787-22
E-Mail: 




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