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Argentinien: Geschäftschancen auf einem schwierigen Markt

Das Frankfurter Generalkonsulat der Republik Argentinien veranstaltete am 11. November 2014 zusammen mit bw-i und der IHK Region Stuttgart eine Informationsveranstaltung zu Argentinien.

von links nach rechts: Uwe Habermann (Schmid Group), Botschafter Daniel Polski, Jürgen Oswald (bw-i), Generalkonsulin Inés Suaréz de Collante, Julio Neto (IHK Region Stuttgart), Roland Zey (Daimler)

Trotz der aktuell schwierigen Wirtschaftslage ist Argentinien nach wie vor eine treibende Kraft im Mercosur. Vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind Argentiniens wichtigste Wirtschaftssäulen und besitzen eine bemerkenswerte Flexibilität. Das Land bietet gute Transportwege, hohes Bildungsniveau und ein europäisch geprägtes Umfeld mit einem exzellenten Arbeitskräftepotential.

Dies betonte der argentinische Botschafter Daniel Polski auf der Informationsveranstaltung Argentinien, die vom Generalkonsulat der Republik Argentinien gemeinsam mit Baden-Württemberg International (bw-i) und der IHK Region Stuttgart am 11. November 2014 in Stuttgart veranstaltet wurde.

Polski sagte, dass im Rahmen der internationalen Verpflichtungen die argentinische Regierung sich in diesem Jahr mit denen im Pariser Club zusammengeschlossenen Gläubigern geeinigt und im Juli 2014 bereits die erste Tranche der Vereinbarung in Höhe von 642 Milliarden Dollar beglichen habe. Spätestens im Januar 2015, wenn nicht sogar früher, werde Argentinien den jetzigen Engpass überwinden, wenn man sich mit den Gläubigern einige. Argentinien akzeptiere die Regelungen und Empfehlungen des ICSID (Internationales Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten) als Schlichter und als Mediationsinstanz.

Paradoxerweise bietet die aktuell schwierige Lage auch interessante Chancen: So zwingt die Devisenknappheit das Land, sein Riesenpotenzial an konventionellen und erneuerbaren Energien zu erschließen. In der Öl- und Gasindustrie hat die Regierung bereits kräftige Preiserhöhungen zugelassen, um Investitionen anzulocken. Eine Anhebung der Strompreise, die Mittel für überfällige Projekte einbringen soll, ist angekündigt. Erzeugung und Verteilung stoßen ständig an die Kapazitätsgrenze, Stromausfälle sind die Folge. Neue Gas- und Dampfkraftwerke sind geplant, um die Lücke zu schließen, zudem große Wasserkraftwerke und auch die Wind- und Solarprojekte kommen in Gang. Deutsche Unternehmen sind dabei bestens positioniert.

Darüber hinaus gibt es positive Impulse im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik, neue Ausschreibungen von 3G- und 4G-Lizenzen stehen an. Der Staat baut zudem das Glasfasernetz sowie Medizintechnik, Bergbau- und Umwelttechnik aus.

Auf der Veranstaltung berichteten Vertreter von baden-württembergischen Unternehmen über ihre Erfahrungen mit Argentinien. 218 Firmen aus dem Südwesten sind aktuell mit Niederlassungen oder Produktionsstätten in dem südamerikanischen Land vertreten, rund 600 Unternehmen unterhalten Handelsbeziehungen.

Die Schmid Group mit Sitz in Freudenstadt ist ein weltweiter Anbieter von System- und Prozesslösungen für die Leiterplattentechnik, Flachbildschirmproduktion sowie für die Photovoltaik bei Dünnfilmapplikationen und in der Herstellung von Solarwafern, Zellen und Modulen. Die Firma baut für den argentinischen Energieversorger EPSE eine vollintegrierte PV-Produktion vom Ingot bis zum Modul. Dies ist ein Leuchtturmprojekt für Südamerika. Erste Kontakte zum Energieversorger ergaben sich im Rahmen der von bw-i organisierten Delegationsreise unter Leitung von Ministerpräsident  Wilfried Kretschmann im November 2011.

Uwe Habermann, Vertriebsleiter bei der Schmid Group, sagte, dass ein langer Atmen notwendig sei, um die Regularien vor Ort zu regeln, aber es lohne sich, da „schwäbische Mentalität“ in Argentinien vorhanden ist. Argentinische Arbeitskräfte seien hoch motiviert und verfolgten ihr Ziel mit Leidenschaft.

Ein weiterer Erfahrungsbericht erfolgte durch Roland Zey von der Daimler AG, der von 2008 bis 2013 bei Mercedes-Benz in Argentinien war. Mercedes-Benz ist seit 62 Jahren vor Ort. Zey betonte, dass trotz aller widriger Umstände im Augenblick die „Motoren“ laufen. „Das Land ist geschaffen, um Lösungen zu finden“, so Zey. Die Europäer seien den Argentiniern sehr nahe und eine ähnliche kulturelle Mentalität sei vorhanden. So werden qualitativ hochwertige Produkte mit hoch qualifizierten Mitarbeitern erreicht.

Zum Abschluss gab Frank Behrenz von Sonntag & Partner einen Überblick über rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen für Direktgeschäfte und Investitionen. Behrenz wies darauf hin, dass wer ernsthaftes Interesse an Lateinamerika hat, sich ein Bild von Argentinien machen solle. Es sei nicht schwerer, mit Argentinien Geschäfte zu machen, als mit anderen Schwellenländern.


Ansprechpartnerin

Ines  Banhardt

Ines Banhardt

Außenwirtschaft und Standortmarketing Wirtschaft
Länderbereich Lateinamerika

Tel.: +49 (0)711 22787-59
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